Die Sinnfrage stellen wir uns immer mal wieder. Wenn auch nicht permanent nach dem Sinn des Lebens, dann doch ab und an nach der Motivation unseres bloggenden Tun und Handelns.
Beginnen wir bei Adam und Eva. Also, am Anfang war das Licht. Hier wohl eher der Erkenntnisgewinn, dass ich mich der Umwelt gerne über eines meiner Lieblingsthemen, bei mir der Fotografie, mitteilen möchte. Diese glorreiche Erkenntnis teile ich mit tausenden von Gleichgesinnten und alle haben wir verschiedene Methoden und Ansätze das Thema anzugehen. Wir präsentieren unsere Arbeiten und Gedanken, hoffen auf die Wahrnehmung und Gunst durch ein Publikum und nach Möglichkeit auf den Einstieg in einen Dialog. Beifall wird dabei äußerst gerne genommen, die Mehrheit der bloggenden Gemeinschaft ist aber auch für konstruktive Kritik empfänglich.
Teilweise versuchen wir uns in der Kommerzialisierung unserer Plattform. Mal durch pauschale Schaltung von Werbeblöcken, mal durch geschicktere Verweise auf eigene geschäftliche Aktivitäten, die mit dem Blog-Thema zu tun haben. Nicht zu vergessen natürlich der Versuch das eigene Werk an den Mann oder die Frau zu bringen. Verkauf von Prints, T-Shirts, Büchern – alles ist möglich und erlaubt. Es gibt auch Blogger, die auf Kommerzialisierung verzichten. Das ist per se nicht besser oder schlechter, der krampfhafte Versuch Kasse zu machen, führt jedoch immer wieder zu ausgesprochen schwachen Inhalten, in Form von Gefälligkeitsreviews, wiederkäuen von Herstellerbeschreibungen oder Lobeshymnen auf Geschäftspartner. Das heisst jedoch nicht, dass Blogs ohne kommerzielle Aktivitäten grundsätzlich Qualitätsgaranten sind. Auch hier finden sich viele lieblose und schwache Beiträge.
Soweit so gut. Beim jüngsten Lesen mancher Beiträge wundere ich mich dann doch, wie weit so mancher Blogautor geht. Auch ich mag persönliche Blogs, die einen gewissen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt des Schreibenden offenbaren, aber Seelenstriptease vor versammelter Mannschaft? Mal unabhängig von Männlein oder Weiblein, erstgenannte sollen emotional je eher verkrüppelt sein: Möchte ich wirklich von dem kleinen, dicken rothaarigen Kind lesen, dass keine Freunde hatte und ach so ausgegrenzt durch die Lande strich? Möchte ich aberwitzige Theorien über frühkindliche Erlebnisse und den Bezug zum heutigen Schaffen lesen? Richtig schlimm wird´s nach meinem Geschmack dann, wenn der sonst so bemüht legere Schreibstil plötzlich bemühten Tiefgang dank Fremdwortlexikon erhält. Ich persönlich will das alles nicht wissen, wobei ich in Zeiten des vormittäglichen Massenexhibitionismus mit Talk-Show & Co. möglicherweise alleine dastehe. Nennt mich gemein, aber bei mir weckt das unweigerlich ein “hör mit dem weinerlichen Selbstmitleid auf und erzähl das Deinem Therapeuten”.
Ja, ich weiß, ich muss nicht mitlesen. Es will nur nicht in mein Hirn, wie sich jemand vor wildfremden Massen so entblößen kann. Was soll das? Wo sind da Sinn und Motivation? Soll das neue Leserschichten erschließen? Soll mich das vorgaukeln emotionaler Nähe an den Blog binden? “Du, wir teilen ein Geheimnis, aber scher Dich nicht um die 50.000 anderen, die das gleiche wissen, du bist speziell und ich spreche nur Dich an…”
Keine Ahnung ob das eine höhere Evolutionsstufe des Bloggens, Reality-Bloggen und wahre Befreiung ist. Ich halte es da mit einer gewissen Distanz und wenn´s persönlicher werden soll mache ich das auf anderen Kommunikationswegen.