Vor einigen Tagen hat mich eine Fotokollegin ganz verschämt gefragt: “Sag mal, kannst Du mir sinnvoll erklären, wie das mit Blende und Verschlusszeit funktioniert?” Klar, hab ich gesagt. Kann ich. Und dann hab ich das übliche erzählt. Große Blende = kleine Zahl = viel Licht. Kleine Blende = große Zahl = wenig Licht. Logisch. Zur Verschlusszeit hab ich dann was von Bruchteilen einer Sekunde gesagt, und dass die große Zahl einen sehr kurzen Bruchteil einer Sekunde bedeutet und demnach auch hier wenig Licht auf den Sensor fällt. Was die hochgestellten Doppelstriche bei der Anzeige der Verschlusszeit bedeuten konnten wir dann auch noch klären. Ich habe dann noch was von der “Sunny 16″ gemurmelt und mit 2-3 Links um mich geschmissen. Man kann sich ja einlesen.
Rund eine Woche später habe ich mich an das Gepräch erinnert und mir die Frage gestellt – wie hälst du es eigentlich selber mit Blende und Verschlusszeit? Woher weißt du, was du einstellen musst? Und ich kam zu dem Ergebnis: ich weiß es ja gar nicht so genau. Wenn ich nicht gerade entfesselt Blitze greife ich im Regelfall auf eine der Automatiken zurück. Mit einer ganz simplen Logik. Ich möchte einen unscharfen Hintergrund und nur einen sehr begrenzten Ausschnitt scharf dargestellt haben? Blende 2.8, den Rest macht die Automatik. Je nach dem wie wie groß der Schärfebereich sein soll gehe ich auch mal bis Blende 4 – 5.6. Erfahrungswerte. Ich möchte ein von vorne bis hinten knackscharfes Bild haben? Blende 14 – 16. Den Rest besorgt wieder die Automatik. Um die Verschlusszeit kümmere ich mich nur wenn ich ein Motiv in Bewegung (im Regelfall meinen Junior) ablichten möchte. Schnelle Bewegung einfrieren bedeutet möglichst kurze Verschlusszeit. Ich bewege mich dann meistens im 1/2000er Bereich. Ein anderes extrem wäre die bewusste Langzeitbelichtung.
O.k., ich muss mich korrigieren, ich weiß teilweise was ich mache. Wenn ich mich allerdings abseits der Automatiken bewege (z.B. beim entfesselten Blitzen) heißt das Prinzip im Regelfall ausprobieren. Auch hier orientiere ich mich meist an der gewünschten Schärfeverteilung (=Blende) und passe die Verschlusszeit der Blitzintensität an (teilweise kann ich hier auch am Blitz die Helligkeit korrigieren). Bedeutet 4-5 Testbilder, Kontrolle an Display und Histogramm bis ich weiß, das kommt hin wie gewünscht.
Bleibt die Erkenntnis, dass ich die “Zwischenblenden” so gut wie nie bewusst einsetze und damit die Frage was hab ich vielleicht verpasst? Konkret: Welcher Anwendungsfall bei der manuellen Kameraeinstellung sollte mich dazu veranlassen eine Blende zwischen 5.6 und 12.5 zu wählen? Wer kann helfen?


