Da ich noch auf keine 30 Jahre Fotografieerfahrung zurückblicken kann, mache ich jeden Tag aufs neue, für mich erstaunliche Entdeckungen. Letzte Woche habe ich noch über meine Erfahrungen in den höheren ISO-Regionen berichtet, da war mein letzter Testfilm Anlass, mich mal auf der anderen Seite der Skala zu versuchen.
Gemeinhin gilt ja, je lichtempfindlicher ein Film desto besser, denn ich kann eine kleinere Verschlusszeit wählen und bin somit eher vor Verwacklung geschützt. Auch hält sich Filmkorn bis ISO 1600 je nach Film-/Entwicklerkombination noch in erträglichen Grenzen. Auf der digitalen Seite bekommen wir quasi täglich mit jeder neuen Kamerageneration mehr Möglichkeiten, rauschfreie Bilder auch im 4-stelligen ISO Bereich zu produzieren.
Bei einem unbewegten Objekt und der Kamera auf einem Stativ spielt Bewegungsunschärfe aufgrund langer Belichtungszeiten bei niedrigen Filmempfindlichkeiten eigentlich keine Rolle. Vielleicht muss man noch in der Lage sein, für ein korrekt belichtetes Foto die Sekundenzeiger der Uhr richtig abzulesen, das wars dann aber auch. Wie verhält sichs aber wenn man sich mit vorgenanntem Material an einem Portrait versucht?
In den Anfängen der Fotografie, als an hochempfindliches Material für jedermann noch nicht zu denken war, gab es wohl die abenteuerlichsten Konstruktionen, die den Oberkörper und Kopf des Models fixieren sollten, um ein unbewegliches Verharren in einer unbequemen Portraitpose zu ermöglichen.
Im Vergleich dazu befindet man sich heutzutage mit modernem Filmmaterial und ISO 50 wohl im Luxusbereich. Trotzdem noch erstaunlich, wie bei einer Verschlusszeit von 1/15 ein scharfes Portrait entstehen kann. Selbst mit einem 2-jährigen an der Seite, der die Ruhe nicht gerade gepachtet hat.


