Spieglein, Spieglein in der Cam

Da steht sie also, die lang ersehnte Voigtländer Superb und meint sich mit einem blinden Spiegel endgültig auf das Altenteil zurückziehen zu können. Aber nicht mit mir, nicht mit dem Commander…

Wie angedroht, habe ich das Thema Spiegelaustausch zu meiner höchstpersönlichen Challenge erklärt, und soviel sei vorweg genommen: ich war erfolgreich! Nun, die Voigtländer ist kein leichtes Mädchen, sie ist eine Dame und gibt sich eher zugeknöpft. Mal eben so den Sucher abnehmen, um an Scheibe oder eben Spiegel zu kommen ist nicht – aber der Reihe nach.

Am Anfang war die Recherche. Das Internet weiß schließlich alles, demnach sollte es ein leichtes sein die eine oder andere Information, Anleitung oder was auch immer zum anstehenden Vorhaben zu erhalten. Voigtländer – Voigtlander – superb – Reparatur – Mirror – Spiegel – repair – Demontage – disassembly – demount – removal – removing – … in jeder denkbaren Kombination, die Suchbegriffe haben mich nicht wirklich weiter geführt. Zwar bin ich das eine oder andere mal über das gleiche Problem gestolpert, aber der einzige Lösungsansatz war die französischsprachige Beschreibung in einem Forum, die ehemals wohl auch mal mit Bildern hinterlegt war, jetzt aber als nackte Textinformation und dann auch noch in dieser verflixten Sprache, die ich als erstes in der Schule wieder abgegeben hatte, nur rudimentäre Informationen liefern konnte. Der Versuch den Urheber des Textes zu kontaktieren und ihn zumindest um die Bilder zu bitten war leider fehlgeschlagen. Nun denn.

Das hier war also mein Ausgangspunkt. Nicht viel, aber immerhin. Frisch ans Werk. Zunächst heißt es mal der Dame unter den Rock zu fassen – runter mit den Klamotten. Natürlich nicht mit Gewalt, sondern sanft aber bestimmt. Bewährt hat sich dabei ein Kunststoffspatel, der gerne auch für Elektronikreparaturen genommen wird. Mit ihm löst man vorsichtig die Belederung an der rechten und linken oberen Vorderseite. Auf jeder Seite verstecken sich jeweils 2 Schrauben. Um die Belederung links komplett lösen zu können muss man den Blendenstellring ebenfalls entfernen. Dazu löst man auch hier den Ledereinsatz und anschließend die darunter liegende Schraube. Danach lässt sich der Metallring rausdrehen und die beschriftete Kappe darunter abheben. Jetzt ist der Weg frei, die Belederung komplett zu entfernen. (Hinweis: im Nachhinein betrachtet wäre die komplette Enfernung der Frontbelederung gar nicht nötig gewesen, da sich die Schrauben ganz am Rand befinden. Zwecks Reinigung und Handling ist es aber trotzdem zu empfehlen.)



Das gleiche Spiel findet nun an den beiden Seiten statt. Hier befindet sich auf jeder Seite nur eine Schraube und zwar jeweils in der unteren Ecke zum Rückteil. Leder lösen und Schraube rausdrehen. Bevor man nun das Oberteil abheben kann, muss man noch den Rückstellknopf für das Zählwerk auf einer Seite entfernen und voilà – Sesam öffne dich!

Der abgehobene Deckel offenbart schon mal eines: Schmutz – und davon eine Menge. Aber egal, erst mal schauen wo sich der Spiegel versteckt. Die Sucherscheibe lässt sich nach hinter wegschieben und siehe da, darunter zeigt sich, was ehemals wohl mal ein Spiegel gewesen sein soll. Der Spiegel ist in zwei seitlich Führungen eingelassen und lässt sich ebenfalls nach hinten wegziehen, wenn man vorher eine dünne Blechführung abschraubt. Bei Versuch den komplette Spiegelkasten auszubauen, bin ich leider gescheitert. Zwar konnte ich das Zählwerk demontieren (fixiert mit einer Gegenschraube um Filmführungsfach), auch stellte die Entfernung des Sucherobjektivs samt Verkleidung keine größere Herausforderung dar, jedoch müssten zwecks kompletter Demontage zwei Splinte links und rechts neben dem Superb-Schriftzug herausgeschlagen werden und das habe ich mangels richtigem Werkzeug nicht hinbekommen.



Wo ich das Objektiv schon mal draussen hatte, dachte ich eine schnelle Reinigung kann ja nicht schaden, bei näherer Betrachtung wurde jedoch klar, dass die Feuchtigkeit auch zwischen die Linsengruppen gekrochen war. Die hässlichen Tentakeln des Glaspilz gaben sich zu erkennen. Demnach also Linsengruppen demontieren und Intensivreinigung. Es soll ja Leute geben, die beim bloßen Verdacht von Glaspilz gleich ihre Kameras wegwerfen, ich halte das für übertrieben. Glaspilz lebt von Feuchtigkeit und Dunkelheit, bei trockener Lagerung und Raumtermperatur sowie UV-Licht hat er eigentlich keine Chance sich weiter auszubreiten. Ich geb’ mal das Stichwort Objetivköcher – Dunkelheit – na? Klingelts? Aber weiter im Text. Sporenflug – is klar. Aber gute Reinigung und zur Sicherheit separate Lagerung sollten genug der Vorbeugung sein. Wenn man sich mit alten Kameras auseinandersetzt, kommt man an dem Thema Glaspilz nicht vorbei. Gereinigt wird mit einem Mikrofasertuch mit einem Schuß Desinfektionsmittel und die Abschlußreinigung mit 99%igem Isopropanol. Die Linsen sind übrigens glasklar und ohne sichtbare Rückstände aus der Reinigungsprozedur herausgekommen und neben dem Sucherobjektiv konnte ich das Spiel nochmals mit dem Kameraobjetiv wiederholen, mit gleichfalls hervorragendem Ergebnis.

Was ich bis hierhin beschrieben habe, hat mich einen kompletten Abend von runden 5 Stunden gekostet. Ins Bett gegangen bin ich mit der bohrenden Frage wo ich einen passenden Spiegel herbekommen soll und natürlich konnte ich eine Stunde lang nicht einschlafen.

Um es kurz zu machen: der nächste Reparaturabend hat mich auf die Idee gebracht mich über den Schminkkoffer der besten Ehefrau von allen herzumachen. Nein, nicht um meinen Teint aufzubessern, sondern um den Schminkspiegel aus ihrem Lidschattenset zu stehlen. Den benötigten Glasschneider hatte ich schon Mittags im benachbarten Baumarkt besorgt, und nach 2 Versuchen war ein passender Spiegel zurechtgeschnitten. Entgraten mit etwas feuchtem Schmiergelpapier und dann kann es eigentlich auch schon ans Zusammensetzen gehen. Davor heißt es natürlich putzen, putzen und nochmals putzen. Alte Fett und Graphitschmiere entfernen, Staub, Flugrost, etc… Werkzeuge: Wasser, Spülmittel, 000er Stahlwolle, Zahnstocher, Isopropanol, etwas Autopolitur und Unmengen von Q-tips.

Strahlt die Lady dann in neuem Glanz wird, bevor das Leder wieder aufgeklebt werden kann, ein Opferfilm in Form eines alten U200 durch die Kamera gejagt. Die Blendenreihe wird durchfotografiert und die Ergebnisse… – sie sehen gut aus. Erfolg auf der ganzen, naja fast ganzen Linie. Was mir schwer in der Nase steckt und ich gerne nochmals ausprobieren würde, wäre die Demontage und Restauration des Compur Verschlusses. Das wollte ich mir aber hier nicht antun, weil ich schon mal einen Verschluß geliefert habe (o.k. – da hatte ich noch sehr wenig Erfahrung), aber falls mir noch mal eine Voigtländer Superb Ruine über den Weg läuft werde ich das nachholen.

Fazit: mit Geduld und Spucke, zwei nicht ganz linken Händen und etwas Kreativität kann man ziemlich viel selber machen. Zugegeben, ich dachte die Superb wäre noch komplizierter aufgebaut aber egal. Die Hemmschwelle in Sachen Kamerareparatur ist einmal mehr gesunken.

Projekt erfolgreich beendet.

Wenn der Wurm im Apfel ist

Die Diskussion ob Mac oder WIN PC ist für mich genauso uninteressant wie das analog vs. digital bashing. Fakt ist, ich hab mich für die Mac-Rechner entschieden und sie gefallen mir. In Sachen Service musste ich allerdings gehörig Lehrgeld bezahlen.

Beim Macbook, das ich der besten Ehefrau von allen zum Geburtstag geschenkt hatte, ist nach Ablauf der regulären Garantiefrist das Display im Eimer. Ein ca. 5cm breiter Streifen auf der linken Seite, der anfangs nur kurz, mittlerweile beständig das Bild stört und sich weiter ausbreitet. Der Kenner erahnt, ich habe die Garantieerweiterung, Apple nennt das Care & Protection und verlangt ein Schweinegeld dafür, nicht abgeschlossen. Murphy’s Law. Mein Versuch beim freundlichen Händler um die Ecke auf Tränendrüse und Kulanz zu machen wurde abgeschmettert mit dem Hinweis “da gibt uns Apple keine Chance, das müssen Sie selber probieren”. Daraufhin ein Anruf bei der benannten Servicenummer, bei dem mir eine sehr freundliche Dame erklärte, dass sie telefonische keine Kulanz bestätigen könnte, dafür wäre der Kauf schon zu lange her (1,5 Jahre) und ich solle doch beim Händler mal einen Kostenvoranschlag machen lassen. “Durchmessen” nannte sie das, um die genaue Fehlerursache zu ermitteln und dann über den Händler die Kulanz beantragen, das sei chancenreicher.

Nun gut, ein Gerät für 1.600 Franken will man nicht gerade in die Tonne kicken, also zurück zum Händler. Nach guten 2 Wochen ohne Meldung hakte ich mal nach, um am Telefon wieder zu hören, “sorry – ist das Display, Apple gibt keine Kulanz und der Austausch kostet 550,- Franken Material zzgl. Arbeitsstunden, also rund 700,- Franken, ach ja – und Garantie gibt’s darauf leider nur 3 Monate…”

Na super, die Hälfte vom Neupreis will ich für keine Reparatur zahlen, also muss ein neues Gerät her. Dies erkläre ich auch dem Herrn am anderen Ende des Telefons und frage ihn, ob beim Neukauf die Kosten für den Kostenvoranschlag verrechnet werden, was er bejaht. Also stehe ich ein paar Tage später in seinem Shop, will ein neues Gerät mitnehmen, was aber leider nicht klappt, weil Apple gerade die Generation wechselt. Bei der Gelegenheit lass ich mir nochmals versichern, dass der Kostenvoranschlag bei Neukauf eines Gerätes verrechnet wird. Alles roger meint er.

Vorgestern lag nun ein Abholschein in meinem Briefkasten und ich begebe mich heuer in den Laden, um Alt- und Neugerät abzuholen. Immerhin ist mittlerweile ist der Plan in mir gereift mir das blanke Display zu besorgen und die Reparatur selber vorzunehmen. Nach kurzer Internet Recherche habe ich überschlagen: Werkzeug knappe 40$, neues Display um die 200$ alles frei Haus und die Reparaturanleitung gratis im Internet. Aber zurück in den Laden.

Das Aushilfsjüngelchen ist überfordert als ich ihm meinen Abholschein unter die Nase halte und meine das Altgerät nehme ich mit und der Kostenvoranschlag würde auf den Neupreis angerechnet werden. Stehe ja sogar als Bemerkung auf dem Wisch. Er muss den Chef fragen. Der kommt einige Minuten später und meint, klar wird angerechnet aber dann müsse das Gerät im Laden bleiben und “verschrottet” werden. Ich erkläre dem guten Mann, dass der erste April schon eine Weile rum ist und ich selbstverständlich das Gerät mit nehme. Tja, so ginge das ja nicht, und mit wem wäre das abgesprochen und die Leute von der Technik seien heut auch gar nicht da. Wenn ich das Gerät mitnehmen wolle, müsse ich die Hälfte des Kostenvoranschlags von 176,- Franken zahlen. Meine nunmehr voluminös werdende Stimme, gepaart mit den Begriffen Servicelevel und Zusagen seiner Mitarbeiter scheinen ihm an einem Samstag Nachmittag bei prall gefülltem Laden nicht zuzusagen. Nach dem kurzen Austausch einiger Argumente gibt er sich doch ziemlich schnell geschlagen und mit einem “nix für ungut” gibt er mir die alte Kiste mit und auf die diesmal abgeschlossene Garantieverlängerung gibt’s noch 10% Rabatt.

Ich will nicht wissen, wie viele Leute mit der Methodik abgezogen werden. Mit Hoffnung machen die Leute zum Kostenvoranschlag verleiten, dafür nochmal satt Kohle aus der Tasche ziehen, und bei den verzagten Zeitgenossen ein nettes Exemplar zum Verticken in der Bucht rausschlagen, ach nee das sind ja dann die generalüberholten Mac’s im Store… Saubande!