Kleiner Öh-gasmus

Zwei Versuche sind top und drei Versuche sind normal hab ich mir sagen lassen. Ich hab 4 gebraucht. Tatsache ist, mir fehlt die notwendige Erfahrung um die erforderlichen Abwedel- oder Nachbelichtungszeiten einschätzen zu können. Ich nähere mich dem Ergebnis momentan in 2-Sekundenschritten. Wobei mir die Nachbelichtungseinschätzung irgendwie schwerer zu fallen scheint – warum auch immer.

Ich bin ein klein wenig stolz auf mein Ergebnis. Immerhin ein Bild mit fünf Bearbeitungsschritten. Ihr kennt es schon, ich zeig es trotzdem nochmals und tatsächlich sieht der Abzug noch wesentlich genialer aus und hat keine Staubpartikel. Aber die wollt ich jetzt nicht retuschieren.
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Ach ja, eine weitere Erkenntnis des Tages – ich steh eher auf mattes Papier, als auf Hochglanz und 10×15 ist sterbenslangweilig. Zum Üben gerade nochmals eine 100er Position PE-Papier geordert bevor ich mich dann an Baryt wage. Kann es ehrlich gesagt kaum erwarten…

Ernüchterung

Man hat ja schließlich einen Workshop besucht, fulminante Abwedel- und Nachbelichtungswerkzeuge gebaut, da steht dem Erfolg in der heimischen Dunkelkammer ja Nichts im Wege. Denkste.

Später Nachmittag, illuminate allein zu Hause – Redlight District ich komme. Gut, ich muß in den ungeheizten Keller, aber Klamotten hab ich genug und Plattenwärmer für die Entwicklungsschalen sind auch am Start. Die Negative hab ich schon am Abend vorher gesichtet, ich weiß also was ich vergrössern möchte, und los geht’s.

Negativbühne reinigen und Negative abwischen, so hab ich das gelernt, den antistatischen Pinsel hab ich noch nicht, aber es wird auch so gehen. Teststreifen belichtet, ab in die Entwicklersuppe… hmmm, das dauert aber ziemlich lange. Der Entwickler war jetzt wohl doch etwas zu lange gelagert. Ein schlappes Jahr vielleicht? Aber nicht verzagen, der ist ja schnell neu gemischt. Das Fixbad musste auch neu gerührt werden, denn dummerweise war die Entwicklungswanne irgendwie staubig und beim Eingiessen sind dann nette Flöckchen drin rumgeschwommen. Also nochmal von vorne…

Hölla die Waldfee, der wird jetzt aber knackig schwarz, der Teststreifen. War wohl etwas zuviel des Guten. Ah, Belichtungsobjektiv auf 5.6, das machen wir dann doch mal ein wenig dicht…

Zig Versuche, einige Teststreifen und Papiersorten später hab ich mit Müh und Not 2 halbwegs passable Abzüge zu Papier gebracht. Was ich dabei gelernt habe:
- ich war bislang ein Dreckspatz mit meinen Negativen (Staub, Kratzer, Fingerabdrücke), das rächt sich beim Vergrössern ungemein.
- Entwicklungsfehler die sich in gelben Streifen äussern (meine Tigerentennegative, man erinnere sich) kann man in Photoshop lässig rausfiltern, im Labor ist das nicht so easy
- Papierabzüge sehen einfach geil aus
- ich muss weiter üben und mehr Sorgfalt walten lassen
- ich muss neues Papier bestellen

Pfusch am Bau

Eine Dunkelkammer soll´s also sein.

Die auserkorene Räumlichkeit, der separat neben der Wohnungstür liegende Vorratskeller, wurde in einer Wochenendaktion radikal umgeräumt. Natürlich nicht ohne eindeutige, logistische Vorteile für den Haushaltsvorstand, in Sachen Warenerreichbarkeit umzusetzen und mehrfach und deutlich zu betonen. Der Platz für den Vergrösserer und die Chemieschalen war schnell gefunden, alles wurde gereinigt und dann probeweise das Licht gelöscht, um den Lichteinfall des Türschlitzes zu untersuchen.

Was sich offenbarte war Pfusch am Bau. Ein Wanddurchbruch für die Belüftung war zwar von außen mit einem Gitter versehen, der Durchbruch selbst mutierte aber zur Flutlichtanlage. Gleiches Bild in der Raumecke. Lichtschlitze.

Die Rettung nahte in Form von Silikon und Bauschaum. Auf die Details des Zusammenspiels einer verstopften Silikondüse, roher Gewalt, meiner Kleidung und der Arbeitsumgebung möchte ich an dieser Stelle den Mantel des Schweigens decken. Die Spuren der Kollateralschäden wurden dezent beseitigt und nun harre ich dem nächsten Wochenende entgegen – Dunkelkammer ich komme…

Totally nuts

Ich werde ja schon lange für verrückt erklärt. Filmfotografie – bescheuert, geht doch heute alles digital. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen und mich gänzlich, als Fall für die Klapse zu outen – ich richte eine Dunkelkammer ein. Klar, hybride Verarbeitung und Tintenstrahldruck sind eine schnelle und vergleichsweise kostengünstige Lösung, aber erstens will ich verstehen was all die Fotokünstler meinen, wenn sie sagen, das richtige Bild entsteht erst in der Dunkelkammer und zweitens ist es eine handwerkliche Herausforderung und unbändiger Wissensdurst.

Der Einstieg wird einem zumindest aus finanzieller Seite nicht allzu schwer gemacht. Die digitale Dunkelkammer hat die Chemieküche in Bad, Dachboden oder Keller weitestgehend verdrängt und via Kleinanzeige oder Internetauktionshaus lässt sich das einstige Hochpreisequipment zu einem akzeptablen Preis erwerben. Trotzdem muss klar sein, dass wirtschaftliche Gesichtspunkte hier keine Rolle spielen können und dürfen. Neben der Anfangsinvestition sind Chemie und Papier auch nicht umsonst zu haben, und wenn man Zeitfaktor und Lernkurve hinzu rechnet kann man die Preise des Gross- und auch Kleinlabors vermutlich nie unterbieten. Aber es geht ja nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um die Freude am Prozess, die handwerkliche Herausforderung und die Möglichkeiten Kunstwerke / Unikate zu schaffen, die mit keiner Massenverarbeitung erreichbar sind.

Soweit der Anspruch – ob ich ihm gerecht werden kann wird sich zeigen…