Porentiefe Reinheit

Ich tobe mich ja mittlerweile schon eine ganze Weile beim Filmentwickeln und Printen aus. Anfangs noch nachlässiger, primär getrieben vom Gedanken den Prozess überhaupt zum Gelingen zu bringen. Heute eine ganze Ecke sorgfältiger, aber mir will noch immer nicht der Print gelingen, der wirklich gänzlich ohne Fussel auskommt. Und irgendein Fleck ist immer auf dem Negativ. Wenn auch nicht mit blossem Auge zu erkennen, auf dem Abzug zeigt er mit Sicherheit sein hässliches Gesicht.

Wie also zum Geier bekommt ihre Eure makellosen Negative und Abzüge hin? Ich will das auch können…

Silver Footprint

Es war glaub ich mal wieder der liebe Ralf, der die Saat ausgebracht hat. Ein harmloses Youtube-Video…

Pah, harmlos – könnte man meinen. Ich bin infiziert. So richtig. Super Fotografen können wir alle lässig aufzählen. Derer Stücker zehn und zwanzig… Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass nicht jeder Fotograf seine Bilder auch selber ausarbeitet. Da kommen dann die “Printer” ins Spiel, und von denen gibt es nicht so viele, die uns sofort geläufig sind.

Robin Bell ist einer der Top-Printer und der Fetzen Video hat mich erstens dazu gebracht sofort sein Buch zu kaufen und zweitens den Wunsch bestärkt, mich viel intensiver mit dem Thema “Bild zu Papier” zu beschäftigen. Das kombiniert mit der neuentdeckten Begeisterung für große Formate lässt langfristig Böses erahnen.

Das Büchlein zeigt einen Auszug seiner Arbeiten (ich sollte mir angewöhnen, auch diese Affiliate-Links zu setzen), was einem gleichzeitig wie ein “Who-is-who” der Fotografie vorkommt. Viele der Bilder kennt man, einige nicht, so oder so für kleines Geld ein feiner Augenschmaus.

Ach ja, und angefangen hat alles hiermit:

Schwarze Medizin

Oder auch Abenteuer Dunkelkammer Teil 2. Nachdem der erste Part ja schon ganz anständig über die Bühne ging, hat es mich gestern wieder in den Fingern gejuckt, also nichts wie hinein ins Schwarz der künstlichen Nacht. Von Routine zu sprechen wäre sicherlich zu früh, jedoch konnte ich diesmal das Abenteuer Vergrössern um einiges ruhiger angehen. Alles war bereits an seinem Platz und in die frisch gespülten Schalen musste lediglich die Chemiesuppe von letzem Mal eingegossen werden. Positiv: der Entwickler lässt sich anscheinend mehrfach verwenden. Vorab hatte ich bereits ein paar Negative ausgesucht, die ich gerne als grossen Abzug haben wollte. Also, Licht aus und frisch ans Werk…

Nun, ich bin nach wie vor begeistert. Der Negativscan auf dem Bildschirm ist kein Vergleich mit einem Positiv in den Händen. Aber: der nette Nebeneffekt digital gerade mal ein paar Fussel, Stäubchen oder Kratzer der Russenzicke wegstempeln zu können fehlt. Also finden sich teilweise ein paar weiße Punkte auf meinem Abzug. Weniger schön. Auch hab ich sehr schnell die Richtigkeit von Meister Trents Aussage nach einem Testbelichtungsstreifen verstanden. Weder zu flau noch zu dunkel ist wünschenswert und auf 2 Sekunden Belichtungszeit kann man sich halt nicht grundsätzlich verlassen. Gedanklich notiert.

Ganz nebenbei bemerkt hat die Dunkelkammerarbeit anscheinend eine beruhigende Wirkung auf mich. Nach einem ziemlich heftigen Bürotag bin ich gestresst und mit hohem Adrenalinspiegel hinein gegangen, um ganz entspannt und abgeschaltet nach einer Stunde wieder hinaus zu kommen.

Fotografie als therapeutischer Ansatz, das hat Zukunft…

Hat on the corner

So, quasi als Nachtrag hier nun einer der Abzüge meiner gestrigen Dunkelkammerpremiere.

Hat on the corner

Berauscht

Man munkelt ja, dass sich so manch hartgesottener Analogfreak die Entwicklungschemikalien in Pulverform besorgt, um sich dann bewaffnet mit Geldnote, Spiegel und Rasierklinge den ultimativen Kick zu geben. Nichts für meine Nasenschleimhäute, aber berauscht bin auch ich. Die Dunkelheit hat mich in ihren Bann gezogen und ich bin ich geneigt mich als neugeborenen Jünger der Finsterniss zu bezeichnen ;) . Die Satanisten mögen ihre Aufnahmeformulare stecken lassen, und die streng Religiösen sich kurz aus ihren Denkmustern befreien. Hier geht es um meine jüngst eingerichtete Dunkelkammer…

DuKaEigentlich klingt doch alles ganz einfach. Negativ in den Vergrösserer einspannen, Rotlicht an, Papier unterlegen, Ausschnitt festlegen, scharf stellen und Belichtungsschuss. Dann hintereinander hinein in die vorher angesetzte Entwickler- Stop- und Fixiersuppe und fertig! Was soll ich sagen, im Prinzip ist das auch so, wobei die Tücke liegt im Detail. Bei meine ersten beiden Versuchen konnte ich gerade kurz eine Bildkontur erkennen, bevor sich üppiges schwarz ausbreitete. Wohl etwas viel Licht. Also flugs die Belichtungszeit von 10sec. auf 2 reduziert und voilà – vom Negativ zum Bildabzug, mein erstes do-it-yourself Foto.

Da schwimmen sie im Becken, die Abzüge. Ich bin im Glücksrausch und stolz wie Bolle. Klar, da ist noch Verbesserungspotential. Saubere Ränder hinzubekommen ist gar nicht so einfach. Und beim 6×6 Format komme ich auch noch nicht 100% klar, aber der erste Schritt ist getan. Jetzt kann munter weiter experimentiert werden und ich habe eine vage Vermutung, wie sich so einige künftigen Wochenenden gestalten werden…