Und dann klappt wieder gar nichts

Manchmal hat man auch kein glückliches Händchen. Zum Beispiel wenn man “mal eben” ein paar Blätter Planfilm entwickeln will, nicht richtig bei der Sache ist und auf einmal merkt, dass man nur eine Füllmenge an Entwickler in die Dose gegeben hat, die für Rotationsentwicklung gedacht ist, man aber ausnahmsweise mal wieder per Hand entwickeln möchte. Also mit der linken Hand merkwürdige Drehungen veranstaltend, versuchen irgendwie den Film mit Flüssigkeit zu bedecken, dabei mit der rechten Hand die Entwicklerflasche aufdrehen und nochmals 700ml nachgiessen.

Danach einen Liter Entwickler in den Entsorgunskanister kippen, um sich Sekunden später darüber klar zu werden, dass man den ja nochmals hätte verwenden können. Gescannt wird schließlich spiegelverkehrt (was hier aber tatsächlich besser aussieht) und das zweite Negativ lässt sich nicht automatisch stitchen, weil die Software die Ränder wohl nicht richtig erkennt. Ganz abgesehen davon hatte ich da wohl vergessen die Lichtmessung gedanklich 2-3 Zonen zu verschieben, denn ich wollte das Bild wesentlich dunkler haben. (Nicht das unten, sondern das was ich nicht zeigen kann, ach egal…)

Nunja, trotzdem ein Portrait des Nachwuchs bei seiner aktuellen Lieblingsbeschäftigung. Gescannt habe ich nur mit 1400dpi und auf Fusselentfernung hatte ich keine Lust. Ich mag es trotzdem, da fällt bei Bildern des eigen Fleisch und Blut aber auch nicht sonderlich schwer…

Once I was a dancer

Wenn ich eines nicht bereut habe, dann ist es der Einstieg in das Grossformat. Eine faszinierende fotografische Welt, voll gigantischer Möglichkeiten.

Nachdem ich nun endlich genug Filmkassetten auf dem Gebrauchtmarkt zusammengekauft habe, lassen sich auch mal kleinere Sessions mit mehreren Belichtungen durchführen. Noch bin ich ja am Üben und Ausprobieren. Bei der Gelegenheit sei übrigens angemerkt, dass ich die Toyo Filmkassetten gegenüber den vielfach erhältlichen Fidelity Exemplaren absolut empfehlen kann. Die Filme werden nach meinem Gefühl etwas enger geführt, d.h. haben weniger Spiel in der Kassette und geben dem Film eine exzellente Planlage.

Doch genug vom Ausrüstungsgeplänkel. Ob es an der Kamera oder dem Format liegt kann ich nicht sagen, aber auf einmal bekomme ich andere Bildideen. Reduzierter, ruhiger und ich habe wahnsinnige Lust auf Inszenierung…

Was mich ja jedes mal auf’s Neue plättet, wenn ich einen Planfilm in der Hand habe, ist die scheinbare Perfektion der Negative. An diesem Bild ist absolut nichts gemacht, kein Regler bewegt, keine Farben korrigiert – gar nichts. Ja klar, man könnte anmerken, dass auf dem Bein Druckstellen zu sehen sind, die man easy Wegstempeln könnte, ich habe hier aber bewußt darauf verzichtet. Soll nicht heißen, dass das immer so sein muss, aber aktuell bin ich verliebt in den “natürlichen” Graflex-look!

Nachtrag

Zur Ehrenrettung des fotografischen Einzelhandels über den ich hier berichtete, sei der Vollständigkeit halber angemerkt: es wurde sich tatsächlich im Nachgang bemüht. Ich habe einen Anruf erhalten, dass gebrauchte Planfilmkassetten aus dem hauseigenen Fotostudio zu erhalten wären. Zwar bisserl zu teuer (25,- CHF für Fidelity Kassetten) aber immerhin…

Wohin

Quo vadis habe ich schon einmal an anderer Stelle gefragt, diesmal ist die Frage aber eher selbstreferentiell. Wohin soll die fotografische Reise gehen?

Hat man sich erst mal mit Haut und Haaren auf die Fotografie eingelassen, hat sie was vom süßen Gesang der Sirenen. Jede Richtung erscheint verlockend und möchte ausprobiert sein. Eine Reise quer durch die Formate, die bei mir entgegen sämtlicher guter Vorsätze gerade stark vom Verlangen nach dem grossformatigen Abenteuer geprägt ist (Danke auch an Ralf, der mit seinen Videolinks zu den Arbeiten von Sally Mann hier nochmals ordentlich „nachgewürzt“ hat ).

Und dann die Qual der Wahl bei den Sujets. Eine neverending story. Was einem schon recht gut gelingt möchte man ausbauen und noch besser werden und zu akzeptieren, dass die Begabung bei anderen Sujets eher unterirdisch ausgeprägt ist, fällt schwer. Wenn ich sehe, mit welcher Leichtigkeit an anderer Stelle z.B. Stilleben geschaffen werden, scheinbar simpel, extrem reduziert aber grandios in der Wirkung, könnte die nicht vorhandene sommerliche Bräune glatt einem satten Neidgrün weichen.

So viele Fäden, die aufgenommen werden wollen, so viele Erfolgserlebnisse und Enttäuschungen die einen erwarten und so wenig Zeit. Zum Glück steht das Wochenende und ein kurze Arbeitswoche vor der Tür!