I’m blue

Naja, vielleicht kein logischer Schritt mit VanDyke zu beginnen und sich später der Cyanotypie zuzuwenden, aber mir wollte zu Beginn die Blaufärbung nicht wirklich gefallen. Nach einiger Beschäftigung mit VanDyke und anderen Edeldruckvarianten, kamen mir bei meinen Rechercheaktivitäten aber auch immer wieder die Drucke in Preussisch-Blau unter die Augen. Und da waren sensationelle Sachen dabei.

Also wurde bei meiner Chemiebestellung für das nächste grosse Abenteuer dann halt auch ein Cyano-Set mitbestellt. Es war günstig, ich war mittlerweile unheimlich neugierig und heute habe ich mal einen Schwung meiner ersten Versuchsnegative aus der VanDyke-Premierenzeit eben jenem Cyano-Prozess unterzogen.

Ich bin begeistert! Das Verfahren ist wirklich sehr einfach, einmal mehr, wenn man schon die ersten Klippen des VanDyke-Prozesses umschifft hat und es gibt Motive, zu denen passt blau ganz ausgezeichnet.

Wer überhaupt mal in das Thema alternative Prozesse reinschnuppern will, dem sei die Cyanotypie dringend ans Herz gelegt. Das schöne ist ja, dass hier auch digital- ja sogar iPhone-Fotografen zum Zug kommen können!

Fata Morgana

Nix besonderes und aus der Kategorie Schnappschuss, aber ich mag es irgendwie…

VanDyke – Selen vs Carbon

Hier also die angekündigten Ergebnisse der gestrigen VanDyke Exkursion. Oben Selen, unten Carbon.

Von der Schönheit, dem Auge des Betrachters und dem Unmöglichen

Mich beschäftigt eine Frage: kann man nur von einem Menschen, der sich selber mag ein gutes bzw. schönes Foto machen?

Menschenfotografie ist mein Ding und ich habe das grosse Privileg zwei ganz wunderbare Modelle daheim zu haben. Der Junior kümmert sich noch nicht wirklich um Fragen der Wirkung oder des Gut-Aussehens, ist ganz Kind (obwohl er sich schon jetzt gerne produziert und in Szene setzt) und lässt die Dinge einfach laufen. Für ihn ist das ein Spiel.

Mit der besten Ehefrau von allen ist das schon eine ganz andere Sache. Da werden regelmässig Diskussionen à la “da sehe ich aber nicht gut aus” geführt, ihr Herz schlägt für Hochglanz und Beautyfotos, die gerne auch mal eine Portion Retusche vertragen dürfen. Trotzdem weiss ich, dass sie letztlich mit sich im Reinen ist, sich und ihren Körper mag und auch den von mir geforderten Mut zur Hässlichkeit aufbringt. Ihr Portfolio umfasst mehr als einen Gesichtsausdruck (schon mal aufgefallen wie viele Modelle immer gleich “pseudosexy” bzw. langweilig in die Kamera schauen?) und sie hat keine Scheu sich zu zeigen, wie sie ist.

Aber wie oft habt ihr schon den Satz gehört “ich will nicht fotografiert werden, ich sehe auf Fotos nicht gut aus”? Wie viele Situationen, wo hektisch Gesichter abgewendet oder Hinter Händen versteckt werden? Kann man von den Leuten gute Fotos machen? Die Frage wird regelmässig bejaht, den es kommt ja angeblich nur auf den Fotografen an, der sein Handwerk beherrscht, richtig mit Licht und Schatten umgehen kann und somit aus jedem hässlichen Entlein einen stolzen Schwan zaubert. Genau jene Vertreter fabulieren aber auch regelmässig von Bildern mit Seele, dem Einfangen der Persönlichkeit im Bild und hier liegt doch genau der Hund begraben. Der Supi-Seelenfängerfotograf wandelt das Persönlichkeitsempfindens der zu fotografierenden Person um 180 Grad von “hasse ich” zu “find ich toll”? Kann ich jemanden der sich selbst nicht mag und krampfig vor der Kamera steht, schön fotografieren? Die Gleichung geht doch irgendwie nicht auf.

Entweder der Fotograf betätigt sich auch noch als Zauberzunge und überzeugt sein Gegenüber zumindest für den Moment von dessen Schönheit, oder das Ganze gequatsche von Bildern mit Seele ist Fotografenvoodoo, oder die Bilder zeigen Hässlichkeit oder das ganze funktioniert tatsächlich nicht, oder doch? Ich glaube ich verliere den Faden…

Vielleicht lautet auch die Lösung, dass ich von entsprechenden Menschen kein gutes Foto machen kann, solange sie sich bewusst sind, dass sie fotografiert werden und in dem Moment über sich selber und ihre Wirkung nachdenken. Im Umkehrschluss müsste man also die Ausgangsfrage umformulieren in: kann ich von jemandem, der sich bewusst ist, dass er fotografiert wird und sich selber nicht mag ein schönes Foto machen. Ja oder nein? Meinungen?

P.S.: Kommentare mit “Schönheit liegt im Auge des Betrachters” werden gelöscht – die sind nicht hilfreich!! ;)

Pech und Schwefel

Es galt der angekündigten sibirischen Kälte zu trotzen und Dank Skiunterwäsche und mehreren Kleidungsschichten im Zwiebelsystem stürzte ich mich todesmutig in die ungeheizte Dunkelkammer.

VanDyke war das Begehr und zwar sollte eines der letzten Portraits des Familienstammhalters veredeldruckt werden. Vorgehensweise wie üblich: das Negativ “regelkonform” auf Folie drucken, Entwicklungs-, Fixier- und Wässerungswannen vorbereiten, Emulsion und Papier bereitstellen, Pinsel zücken, beschichten, belichten, durch die diversen Wannen ziehen und…

Pech. Es will nicht. Es will einfach nicht zu einem vernünftigen Bild werden. Verdammte Hacke. Nachdem ich das vierte Blatt in die Papiertonne pfeffere besinne ich mich auf Ursachenforschung und komme zu der Erkenntnis: Negativ überarbeiten. Diesmal pfeife ich auf Vorgaben, Skripte die Optimalkurven errechnen sondern vertraue meinem Instinkt. Verstärkte Konturen, dezente Betonung der Mitteltöne, Tweak hier, Tweak da – Handarbeit ist angesagt und kurze Zeit später das neue Negativ ausgedruckt.

Prozedere wie gehabt und voilà – das Konterfei des Stammhalters schaut mir messerscharf aus der Wässerungswanne entgegen. Wer sagt’s denn. Jetzt noch einen Happen Tonung und wir kommen der Sache näher.

Mit der Tonung ist das ja immer so eine Sache. In welchem Verhältnis setzt man an, wie lange lässt man die Tonung wirken, fährt man das Bad vor oder nach der Fixage, kombiniert man verschiedene Tonungen, die Möglichkeiten sind schier endlos. Ich fahre diesmal Carbon und die bewährte Selentonung im Vergleich, die aktuell zugunsten der Selenvariante ausfällt. Carbon hat mir einen Tick zu viel in die grünlich-gelbe Variante gegeben, ach ja und es stinkt wie die Hölle. Ihr erinnert Euch an die Stinkbomben von früher? Schwefel und Pestillenz? Genau diese Duftwolke umgibt mich, als ich der besten Ehefrau von allen die Ergebnisse unter die Nase halte. Von den Bildern ist sie begeistert, vom Geruch nicht. Das könnte mich aber immerhin einem Umbau zwecks Wasseranschluss in der Dunkelkammer näher bringen und heut abend probiere ich vielleicht nochmals die Goldtonung…

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