Wenn Worte Deine Sprache sind

Singt das nicht dieser Jammerbarde so ähnlich? Zugegeben, er hat eine sensationelle Stimme, aber irgendwie ist es dann doch eher Mädchenmusik, ach ja, falsches Thema.

Kritik. Von und über Kritik wird ja ständig geschrieben. Also die einen, die jammern sie möchten doch endlich mal ehrlich Kritik bekommen, die Unisono-Aussage, dass auf den bekannten Plattformen ja eh nur Jubelperser unterwegs sind, das Gemeinschaftsmokieren über die gängigen “awesone”, “nice” etc. Kommentare, die Aufklärer, die sagen es gibt ja nicht nur negative sondern auch positive Kritik, und so weiter und so fort.

Wir haben die letzten 2 Wochen ein ganz interessantes Experiment auf G+ gehabt, genau diese total uncoole Sache, bei der gerade wieder alle abspringen, und zwar wurde einem ausgewählten Kreis ein Bild vorgestellt. Einfach so. Und man konnte was dazu sagen. Bekanntermassen ist es ja einfacher zu meckern als zu loben, aber das war ja gar nicht nötig. Es waren gute Bilder, nicht alle auf den ersten Blick gefällig und keine Massenware, aber gut. Von daher war das mit negativer Kritik eh nicht so drin, aber während die Urheber einiges über ihre Bilder und ihre Wirkung gelernt haben, war mein Aha-Erlebnis ganz anderer Natur. Obwohl ich mich für einen sachlichen und analytischen Menschen halte und im Berufsleben auch so wahrgenommen werde, stellt es für mich eine erheblich Hürde dar, meine Empfindungen bei einem Bild in die richtigen Worte zu fassen. Also warum gefällt es mir, oder warum nicht, wie wirkt es auf mich und warum wirkt es so auf mich. Gaaaaaanz schwierig. Da bin ich total Bauchmensch und muss mich richtig anstrengen, um die richtigen Worte zu finden. Hinzu kommt, dass Eindrücke sich bei mehrmaliger Betrachtung verändern, dass ich Dinge erst erkenne, wenn ich z.B. über die Aussagen anderer Betrachter nachdenke.

Wahnsinnig spannende Kiste. Ich dachte bislang immer ziemlich gut mit Worten umgehen zu können, auch ohne lange Nachdenken zu müssen. Hier bekomme ich meine Grenzen aufgezeigt. Ich hoffe wir spielen das noch eine Weile. Für mich ist das eine tolle Übung, und ich lerne nicht nur über die Fotografie, sondern auch eine Menge über mich.

Hm, beim nochmaligen Durchlesen frage ich mich gerade, ob ich hier einen Widerspruch beschreibe, der keiner ist. Kann man sachlich an Empfindungen rangehen? Eigentlich ja, ich bin ja Mann, wir machen das ständig…

Risiken und Nebenwirkungen

Ich weiß ja nicht ob diese ganze Fotografiegeschichte so gesund ist. Ich rede jetzt nicht von den Gefahren der Chemie in der analogen Fotografie, nein, mir geht es um Risikofaktoren ganz anderer Art.

Ich erwische mich dabei, neue Leute kennen zu lernen und wenn auch nicht der erste, ist einer meiner frühen Gedanken der, ob und wie ich die- oder denjenigen gerne fotografieren möchte oder eben nicht.

Ich sitze daheim und beobachte wie das Licht durchs Fenster fällt, um gegebenenfalls ein Objekt oder eine Person auf Film zu bannen. Ich werde zur Hausarbeit abstaubender Art verdonnert und drehe Objekt XY minutenlang in der Hand, um darüber nachzudenken, wie ein entsprechendes Stilleben ausgestaltet werden könnte. Die abendliche Fernsehunterhaltung findet schon sehr, sehr lange wenn überhaupt in homöopatischen Dosen statt, weil das Screenen von Portfolios oder eben Blättern von Bildbänden wesentlich spannender ist. Ich beobachte die Entwicklung der Rohstoffpreise, nicht wegen einer persönlichen Anlagestrategie für nicht vorhandenes Kapital, sondern um darüber zu fluchen, dass der nächste Toner oder das nächste Altprocess-Platin Kit wieder mal teurer wird, ganz zu schweigen vom geliebten Silberfilm. Ich lege mich ins Bett und meine Gedanken kreisen um Motivideen, die ich schon länger habe und über deren potentielle Umsetzung ich grüble. Ich freue mich auf Wochenenden, weil ich dann Zeit habe, mich für Stunden in einen dunklen und stinkigen Raum einzusperren, und mit Papier und Chemie zu hantieren.

Wahnsinn? Besessenheit? Gibt es ein Mittel dagegen?

Gut, noch fangen meine Hände nicht an zu zittern, wenn ich länger als eine Woche keine Kamera in der Hand hatte, mir schlottern eher die Knie beim Gedanken was ich schon alles an Finanzmitteln in das Thema Fotografie investiert habe und noch gerne ergänzen würde. Und ja, ich bin durchaus noch zu Kommunikation fähig, die sich nicht rund um die Fotografie dreht. Aber ob das alles noch so gesund ist?

Overdose

Schaut Euch mal diesen Flickr-Stream an:

Ich werde einfach nicht warm damit. Ich hab ihn mir jetzt mehrfach angesehen, aber, nee… Das Anliegen mag ehrenhaft sein, die Ausarbeitungen technisch perfekt, bei mir kommt das trotzdem nicht an. Nach meinem Empfinden zu viel Effekt, Verzerrungen ins maskenhafte wo es nicht erforderlich ist, zu stereotyp in der Wahl der Mittel, die emotionale Wirkung geht teilweise in Richtung bedrohlich, wie gesagt, ich werde einfach nicht warm damit.

Ich mag ja keine Ahnung haben, aber mich interessiert Eure Meinung!

Väter und Söhne

Nennt es Lückenfüller oder nicht, ist mir egal. Ich habe diesen entzückenden, kleinen Bildband (Obacht – Amazon-Affiliatelink) gestern Abend wieder in den Händen gehabt. Er gehört zu meinen Lieblings-Fotobildbänden, zu denen, die ich immer wieder mit grosser Freude ansehe.

Es ist ein Buch für Männer. Nicht, daß Frauen nicht auch Spaß an den gezeigten Fotografien haben können, aber sie werden das Spezielle der Beziehung Vater/Sohn nie richtig verstehen. Und genau darum geht es. Vater und Sohn im Bild. Daß dabei große Namen der Fotografie im Spiel sind tut nichts zur Sache, denn jede der gezeigten Aufnahmen ist ein kleines Meisterwerk, und fast jede davon berührt mich. Sei als Vater, sei es als Sohn.

Es gibt so Tage

Da ist man eigentlich recht zufrieden mit seinen fotografischen Aktivitäten. Grobe Belichtungsfehler gehören nunmehr eher zur Seltenheit, kompositorische Kapitalschnitzer wie Zweige, Masten o.ä., die aus einem porträtierten Kopf wachsen, lassen sich vermeiden und auch die Filmentwicklung stellt im Regelfall keine grössere Hürde mehr dar. Die rechte Gehirnhälfte funkt genügend kreative Impulse und an Bildideen herrscht kein Mangel. Auch bei unmöglichen Temperaturen und Lichtverhältnissen gibt es genügend Möglichkeiten sich mit dem schönsten Hobby der Welt zu beschäftigen, wer nicht fotografiert, holt sich Input aus der langen Regalreihe hervorrgender Fotografiebildbände, taucht in die Geheimnisse des Edeldrucks ein, oder, oder, oder…

Ich besinne mich gestern abend also auf das gute alte Internet und seine diversen Videoplattformen. Gefüttert wird mit Suchbegriffen – natürlich zum Thema Fotografie – und ruck-zuck sind zwei Stunden vorbei. Neue Namen, Neugierde geweckt, kurze Recherche, Portfolioseiten, tja und dann sieht man mal wieder wie viel man noch lernen muss. Der Aha-Moment wo Dir Deine bisherigen Machwerke klein vorkommen, weil du perfekte Bilder und perfektes Handwerk siehst. Na nutzt es auch nichts sich damit zu beruhigen, dass Zone IV überbewertet wird, denn der Mensch, dessen Bilder Dich gerade plätten, zaubert die mal ebenso hervor. Von tiefschwarz bis strahlen weiß, alles da in geradezu unwirklicher Harmonie und Ausgewogenheit.

Es gibt so Tage, da wirst Du also wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Dein unerschütterliches Selbstbewußtsein bekommt einen dezenten Tritt in den Allerwertesten, der Dich weder straucheln noch in den Abgrund der Selbstzermarterung fallen lässt, sondern erneuter Ansporn ist noch mehr zu lernen, noch mehr zu verstehen, noch besser zu werden…

Zumindest bei mir funktioniert das so!