Berauscht

Man munkelt ja, dass sich so manch hartgesottener Analogfreak die Entwicklungschemikalien in Pulverform besorgt, um sich dann bewaffnet mit Geldnote, Spiegel und Rasierklinge den ultimativen Kick zu geben. Nichts für meine Nasenschleimhäute, aber berauscht bin auch ich. Die Dunkelheit hat mich in ihren Bann gezogen und ich bin ich geneigt mich als neugeborenen Jünger der Finsterniss zu bezeichnen ;) . Die Satanisten mögen ihre Aufnahmeformulare stecken lassen, und die streng Religiösen sich kurz aus ihren Denkmustern befreien. Hier geht es um meine jüngst eingerichtete Dunkelkammer…

DuKaEigentlich klingt doch alles ganz einfach. Negativ in den Vergrösserer einspannen, Rotlicht an, Papier unterlegen, Ausschnitt festlegen, scharf stellen und Belichtungsschuss. Dann hintereinander hinein in die vorher angesetzte Entwickler- Stop- und Fixiersuppe und fertig! Was soll ich sagen, im Prinzip ist das auch so, wobei die Tücke liegt im Detail. Bei meine ersten beiden Versuchen konnte ich gerade kurz eine Bildkontur erkennen, bevor sich üppiges schwarz ausbreitete. Wohl etwas viel Licht. Also flugs die Belichtungszeit von 10sec. auf 2 reduziert und voilà – vom Negativ zum Bildabzug, mein erstes do-it-yourself Foto.

Da schwimmen sie im Becken, die Abzüge. Ich bin im Glücksrausch und stolz wie Bolle. Klar, da ist noch Verbesserungspotential. Saubere Ränder hinzubekommen ist gar nicht so einfach. Und beim 6×6 Format komme ich auch noch nicht 100% klar, aber der erste Schritt ist getan. Jetzt kann munter weiter experimentiert werden und ich habe eine vage Vermutung, wie sich so einige künftigen Wochenenden gestalten werden…

Pfusch am Bau

Eine Dunkelkammer soll´s also sein.

Die auserkorene Räumlichkeit, der separat neben der Wohnungstür liegende Vorratskeller, wurde in einer Wochenendaktion radikal umgeräumt. Natürlich nicht ohne eindeutige, logistische Vorteile für den Haushaltsvorstand, in Sachen Warenerreichbarkeit umzusetzen und mehrfach und deutlich zu betonen. Der Platz für den Vergrösserer und die Chemieschalen war schnell gefunden, alles wurde gereinigt und dann probeweise das Licht gelöscht, um den Lichteinfall des Türschlitzes zu untersuchen.

Was sich offenbarte war Pfusch am Bau. Ein Wanddurchbruch für die Belüftung war zwar von außen mit einem Gitter versehen, der Durchbruch selbst mutierte aber zur Flutlichtanlage. Gleiches Bild in der Raumecke. Lichtschlitze.

Die Rettung nahte in Form von Silikon und Bauschaum. Auf die Details des Zusammenspiels einer verstopften Silikondüse, roher Gewalt, meiner Kleidung und der Arbeitsumgebung möchte ich an dieser Stelle den Mantel des Schweigens decken. Die Spuren der Kollateralschäden wurden dezent beseitigt und nun harre ich dem nächsten Wochenende entgegen – Dunkelkammer ich komme…

Totally nuts

Ich werde ja schon lange für verrückt erklärt. Filmfotografie – bescheuert, geht doch heute alles digital. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen und mich gänzlich, als Fall für die Klapse zu outen – ich richte eine Dunkelkammer ein. Klar, hybride Verarbeitung und Tintenstrahldruck sind eine schnelle und vergleichsweise kostengünstige Lösung, aber erstens will ich verstehen was all die Fotokünstler meinen, wenn sie sagen, das richtige Bild entsteht erst in der Dunkelkammer und zweitens ist es eine handwerkliche Herausforderung und unbändiger Wissensdurst.

Der Einstieg wird einem zumindest aus finanzieller Seite nicht allzu schwer gemacht. Die digitale Dunkelkammer hat die Chemieküche in Bad, Dachboden oder Keller weitestgehend verdrängt und via Kleinanzeige oder Internetauktionshaus lässt sich das einstige Hochpreisequipment zu einem akzeptablen Preis erwerben. Trotzdem muss klar sein, dass wirtschaftliche Gesichtspunkte hier keine Rolle spielen können und dürfen. Neben der Anfangsinvestition sind Chemie und Papier auch nicht umsonst zu haben, und wenn man Zeitfaktor und Lernkurve hinzu rechnet kann man die Preise des Gross- und auch Kleinlabors vermutlich nie unterbieten. Aber es geht ja nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um die Freude am Prozess, die handwerkliche Herausforderung und die Möglichkeiten Kunstwerke / Unikate zu schaffen, die mit keiner Massenverarbeitung erreichbar sind.

Soweit der Anspruch – ob ich ihm gerecht werden kann wird sich zeigen…

Plastisch rekonstruktive Chirurgie

Bekanntermassen hat mich ja die Leidenschaft der Analogfotografie gepackt und ich finde unter anderem grossen Gefallen an den Kameraschätzen der 70er Jahre. Regelmässige Begleiterscheinung beim Erwerb eines solchen Stückes sind kleinere und grössere Schönheitsfehler oder auch kleine funktionale Beeinträchtigungen. Ähnlich den nahezu täglichen Medienberichten über Damen und Herren mehr oder weniger fortgeschrittenen Alters, die ihren Körper generalüberholen lassen, muss auch der eine oder andere betagtere Kamerajahrgang unters Messer.

Diesmal habe ich mich an der Canonet QL17 probiert, deren Lichtdichtungen komplett marode waren. Das Dichtungskit ist fertig zugeschnitten und als moderne, selbstklebende Variante im Internet erhältlich.

Dichtungen rauskratzen, neue Dichtungen einkleben – klingt einfach… Ist es im Grunde auch, aber es ist eine gehörige Geduldsarbeit. Die Teerreste der alten Dichtungen sind hartnäckig, und beim Auskratzen (kleiner Holzkeil) und anschliessenden Entfernen der Teer- und Klebstoffreste mit Alkohol hat sich in meinem Fall der darunter liegende Lack gleich mit verabschiedet (nein, ich habe kein Isopropanol verwendet).

Das Einkleben funktioniert auf der Tür recht schnell, bei der Rille im Kameragehäuse ist das etwas Fuddelarbeit. Mir hat hier eine KFZ-Abstandsleere (0,8mm) recht gute Dienste geleistet, mit der man die Dichtung vorsichtig seitlich im Wechsel in den Schlitz drücken kann.

Nach 3 Stunden chirurgischem Eingriff kann sich die Dame doch wieder sehen lassen, oder?

Schmuckstücke und Sanierungsfälle

Freud’ und Leid wäre vielleicht übertrieben, aber jeder der sich mit analogen Kameras beschäftigt, die 30 Jahre und älter sind wird früher oder später ein Exemplar erwerben, dass nicht so reibungslos wie zu seiner Geburtsstunde funktioniert. Gerade wenn man via Auktionsplattform zuschlägt, ist eine Funktionsprüfung im Regelfall gar nicht und eine Sichtprüfung nur bedingt mit den zur Verfügung gestellten Fotos möglich.

vebur Klarer Fall auch mich hat es ereilt. Die in freudiger Erwartung erworbene Welta Reflekta II hat sich als hartnäckiger Sanierungsfall herausgestellt. Vom äusseren Zustand noch durchaus als passabel zu bezeichnen, hat ein Öffnen der Kamera optisch und olfaktorisch (Vorsicht Fremdwort ;) ) offenbart, dass das gute Stück wohl schon längere Zeit in einem feuchten Keller gelagert hat. Oberflächenreinigung kein Problem aber beim Versuch den Verschluss zur Tätigkeit überreden zu wollen, hat dieser beharrlich gestreikt. Nach mehreren Dutzend etwas gröberen Überredungsversuchen ist die Mechanik langsam wieder in Gang gekommen, konnte jedoch bei keiner Zeit zum selbstständigen Öffnen und Schliessen gebracht werden.

vebur1 Ein Feigling, wer hier die Flinte ins Korn wirft. Freund Internet weiss immer Rat und so habe ich mich auf die Suche begeben um etwas mehr zum Thema Verschlussreparatur zu finden. Nach 2 Stunden Lesens haben sich die Schlagwörter Backofen, Ballistol und Alkoholbad herauskristallisiert verbunden mit der Warnung bloss nicht demontieren. Also Verschluss ausbauen und in Alkohol baden. Ergebnis: noch schwergängiger als vorher. Zweiter Versuch Benzin. Wieder etwas besser aber immer noch kein Durchbruch. Also das gute alte WD-40 zücken. Hmm, wesentlich besser aber jetzt sind sämtliche Lamellen verölt – das Zeug kriecht wirklich überall hin (ich gebe zu, ich habe auch nicht gerade dezent portioniert…). Es folgten noch ein paar Temperaturversuche, die Hoffnung auf längere Einwirkzeit, um mich letztlich davon zu überzeugen, dass das alles keinen Zweck hat. Schneiden wir den Patienten auf :D

21082009010 Gesagt, getan, 20€ Kamerainvestition sind im Zweifelsfall zu verschmerzen und wir wollen ja was lernen. Dank Minischraubenzieher und Pinzette ist das gute Stück zerlegt, die einzelnen Lamellen entnommen und die ganze Ölpampe mit erneutem Alkoholbad wieder entfernt. Soweit war ich als Kind mit meinen Versuchen, diverse Elektronikgeräte zu reparieren auch immer gekommen. Die Kür lautet nun das Puzzle wieder zusammen zu setzen. Zum Glück warten ein paar bürofreie Tage auf mich ;)