Weit, weiter am weitesten

Der Linsenpark zur ZM soll nochmals erweitert werden. Ich bin auf der Suche nach einem Weitwinkel, das bei Landschaftaufnahmen auf Kleinbild etwas mehr zeigt als mein heissgeliebtes 35er Biogon. Ja, Landschaft auf Kleinbild ist eigentlich quatsch, aber gerade auf Urlaubsreisen mit der Familie ist meine Motivation auf grosses MF- oder gar GF-Besteck eher gering ausgeprägt.

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. M-Mount, versteht sich, bei Zeiss wäre da das 18er, 21er oder 25er (das 15er ist jenseits meines Budgets), schielen wir in Richtung andere Hersteller ist das 15er Wide Heliar von Voigtländer recht weit verbreitet. Aber will ich wirklich das Gefummel mit einem externen Sucher? Will ich wirklich die extremen Randabschattungen eines Superweitwinkel, zumal man bei Landschaft gerne mal mit Filter fotografiert? Michael hat mich dann noch dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass man bei 21mm und kleiner eigentlich auch den Blenden- und Fokussierring festtackern kann, denn Tiefenschärfe wird zum Fremdwort und die Kompression schnell etwas viel.

Die Lösung könnte das 25er Biogon sein. Ein Sucheraufsatz wäre nicht zwangsläufig nötig, denn das komplette Sucherbild der ZM entspricht in etwa der Brennweite von 25mm. 2,8/25 gibt doch nochmals erhebliche Reserven in Sachen Lichtstärke und die machen auch Sinn, denn auch Personenfotografie und das Spiel mit Tiefenschärfe ist mit einem 25er noch lässig drin.

Luxusprobleme, ich weiss.

Ein Start mit Hindernissen

Dass ich die 6×6 aus der Rolleischmiede dem Schwedenwürfel vorziehe, habe ich bereits berichtet. Obwohl sie es mir nicht leicht gemacht hat, die SL-Klasse.

Kaum war das Objekt der Begierde bei mir angekommen und ich voller Begeisterung ob des perfekten optischen Zustands schier aus dem Häuschen, stellte sich Minuten später Ernüchterung ein. Irgendetwas stimmte nicht. Tatsächlich wollte der Spiegel nicht so zurückklappen wie er das sollte. Kamera seitlich halten – funktioniert. Kamera normal halten *mööp* – nix tut sich. Der kurzfristige Abbau des Schachtsuchers samt Sucherscheibe brachte Gewissheit: der Spiegel verweigert den kompletten Rückzug.

Wie schnell sich doch der Gemütszustand von himmelhochjauchzend zu Flüche allerübelster Couleur ausstossend ändern kann. Na klar, deshalb hat der gute Verkäufer auf Paypal verzichtet. Deshalb war der Umtausch ausgeschlossen. Deshalb… ganz ruhig durchatmen. Vielleicht ist das alles nicht so wild. Also den Meister der Rollei Reparatur kontaktieren. Juergen Kuschnik in Frankfurt. Die kurzfristige Ferndiagnose sagte: kenn ich, bekanntes Problem. Vermutlich verharzte Mechanik, d.h. Auseinandernehmen, Reinigen, neu zusammensetzen und schmieren, dafür gibt es perfekt neu eingestellte Zeiten.

Also macht sich meine SL66E auf Reisen, und ich werde wenige Tage später mit der Information über weitere “hidden-features” beglückt. Fehlerhafter Scheimpflug, leicht eingedrückter Zeitwahlknauf, störrische Blende – es wird teurer – und somit wandelt sich der Schnäppchen-Ersteigerungspreis zum Invest jenseits von gut und böse. Das war dann der Moment wo sich Illuminate-Inkasso anschickte auf seine unnachahmlich charmante Art und Weise Geld zurück zu holen. Mit Erfolg.

Die Lady sieht von aussen noch immer erstklassig aus, ist jetzt aber unter der Haube geliftet und schnurrt wie frisch vom Band gerollt. Die nächsten 30 Jahre als fotografisches Arbeitstier dürften somit gesichert sein…

Gedreht und nicht getaucht

Da ich über kurz oder lang auch etwas grössere Abzüge machen möchte, 40×50 sollten schon drin sein, und ich die entsprechend notwendigen Wannen nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung habe, konnte ich mir entweder genau diese Wannen kaufen, oder ein recht günstiges Angebot einer Jobo CPA II, samt Drums annehmen.

Ich habe mich für zweitere Variante entschieden. Erstens ist ein Backup für die CPE nicht verkehrt, zweitens ist das Maschinchen jetzt mit Pumpe ausgestattet, d.h. die Temperaturkonstanz bei C41 und E6 Prozessen dürfte noch einfacher sicherzustellen sein, drittens ist der Chemieverbrauch doch erheblich geringer und man kann relativ einfach mal auf die Schnelle 1-2 Abzüge machen, ohne grosse Aufbauarie.

Für Puristen und das High-End-Fine-Art-Gedöns ist das vermutlich Teufelszeug. Ich werde über die ersten Ergebnisse berichten.

SL Black Edition

Die Krone des Mittelformats. Für viele ist das der Schwedenwürfel. Ich habe mich nie richtig in ihn verliebt. Mein Herz schlug und schlägt für das etwas brachialere Äquivalent zur 500er Hasselblad-Serie, nämlich der SL66 aus der Braunschweiger Rollei Schmiede.

Pros und Contras beider Kameras zu suchen und zu vergleichen ist meiner Meinung nach sinnlos. Beide haben hervorragende Objektive (Zeiss), die sich nichts geben. Der wesentliche Unterschied liegt im Verschluss. Schlitzverschluss bei der Rollei, Zentralverschluss bei der Hassi. Das erlaubt der SL immerhin 1/1000 Verschlusszeit (der Schwedenwürfel schafft das nicht ganz) und Retrostellung des Objektivs für Makroaufnahmen, dafür aber auch hundsmiserable Werte bei der Blitzsynchronisierung nämlich nur 1/30. Ausserdem ist die Rollei ein Schwergewicht im Vergleich zur Hassi und das hält ganz viele Leute ab.

Für mich ist es genau einer der Gründe, warum ich die SL66 liebe. Sie liegt satt in der Hand und ist für mich hervorragend zu bedienen (viele finden sie total umständlich). Ich mag etwas gewichtigere Kameras, da ich selten mit Stativ arbeite und eine schwerere Kamera mehr Stabilität liefert und ruhiger zu halten ist. Ausserdem liebe ich die Möglichkeiten der Spielerei mit Scheimpflug und ganz persönlich: sie liefert die brutal schärfsten Bilder, die ich in 6×6 kenne. Ich hab ja auch mal gelesen, dass bis auf 2 Kunststoffteile an der SL alles aus Metall sein soll. Ob das jetzt nur ein Gerücht ist, kann ich nicht weder bestätigen noch dementieren. Ich werde die SL aber definitiv nicht zur Kontrolle auseinander bauen.

Jetzt also in der E Ausgabe, samt integrierter Belichtungsmessung und in schlankem schwarz. Rund 2000 davon sind von 1982 bis 1992 gebaut worden. Der Verkaufspreis im September ’92 betrug wohl rund DM 8.000 / $ 4.000. Wenn man sich mal überlegt, was seinerzeit der durchschnittliche Monatslohn war…

Ich bin auf alle Fälle froh eines der Schätzchen nunmehr mein nennen zu dürfen.

Ich bin schwach geworden

Eigentlich wollt ich ja nicht mehr weiter in Kleinbild investieren. Meinen Messuchertraum hab ich mir zwischenzeitlich erfüllt und mit der Zeiss Ikon lassen sich doch fast alle Kleinbildeinsätze absolvieren. Für die wenigen Ausnahmen bietet der Fundus noch einige Teilnehmer der berühmten Olympus OM Familie, eine Nikon F80 (meine erste selbstgekaufte SLR) tut auch noch ihren Dienst, kein Notstand also.

Sicher, es gab im KB-Bereich immer schon SLRs, die mich noch gereizt haben. Die Contax Familie z.B., mit der RTS III und der unglaublichen AX und eben auch Nikon mit seiner F3, der Kamera, die ihre Nachfolgerin überlebte und als Inbegriff des unverwüstlichen Arbeitsgerätes gilt.

Da screene ich also so nebenbei meine üblichen Kamerabörsenseiten und mein Blick fällt auf ein bebildertes Angebot einer Nikon F3 HP, zusammen mit einem 4-köpfigen Linsenpark, Lichtschachtsucher, Blitz, reichlich bebildert (und auf den Bildern sieht das Equipment nahezu ungenutzt aus) und das ganze halbwegs bei mir um die Ecke zu einem sehr attraktiven Preis. Kontakt aufnehmen, hinfahren, denken die Kamera hat ne Macke, weil man zu doof war die Batterie richtig einzulegen, Recherchieren, nochmals Hinfahren, Abholen, glücklich sein.

Bis auf die Tatsache, dass die Lichtdichtungen den üblichen altersbedingten Zustand aufweisen, sieht das Teil aus wie nie benutzt. Sämtliche Features funktionieren noch tadellos, selbst die Displaybeleuchtung, der bekannteste und sicherste Ausfall bei gebrauchten F3s verrichtet noch anstandslos seinen Dienst. Yay! Der Verkäufer hat mir sogar noch einen Cokin Filterhalter samt SW-Filtersatz mit eingepackt. Herz was willst Du mehr…