Tonung

Gestern hab ich mal ein wenig durch die Gegend getont. Der digital geprägte Fotofreund wird das als Sepia kennen, die Filmfraktion kann vermutlich mit Schwefeltonung etwas anfangen.

Es handelt sich um die vermeintlich einfachste Tonungsmethode, die mit dem betörenden Duft nach faulen Eiern, die jedoch in unterschiedlichsten Facetten daher kommt und je nach Bild, motivunterstützende Farbgebungen jenseits des Kitsch oder des “auf alt getrimmt” ermöglicht.

Ich habe im ersten Ansatz mit unterschiedlich fetten Ansätzen experimentiert, mit Varianten bei denen erst gebleicht und dann getont wird, aber auch direkte Tonungen, die anschliessend gebleicht und nochmals getont werden. Mein Favorit aus der Reihe ist ein Print, der erst gebleicht wurde, anschliessend in stark verdünntem Entwickler nochmals anentwickelt wurde und anschliessend in eine relativ hoch verdünnte Schwefeltonung ging.

Der Scan ist mal wieder armselig und zeigt noch nicht mal die Tonwerte richtig an. Besser geht es halt nicht.

Die Spielwiese ist geradezu grenzenlos. Was alleine mit einem Toner und der Variation des Prozesses möglich ist, erschlägt einen nahezu. Wenn man sich dann überlegt, was für eine Palette von Tonern existiert und welches Möglichkeiten sich aus deren Kombination untereinander ergeben…

Von Mysterien und Wirklichkeit

Ich bin Filmfotograf aus Überzeugung und Leidenschaft. Eine Tätigkeit die Leiden schafft. Moah, müdes Wortspiel, ich weiß. Allerdings sollte, wer plant etwas tiefer in die Materie Filmfotografie einzusteigen, tatsächlich eine gesunde Portion an Leidensfähigkeit mitbringen.

Ich habe bereits mehrfach über Entwicklungsfehler, Belichtungsfehler, verranzte Chemie, Flecken, Staub und anderes Ungemach berichtet. Spannend wird es allerdings, wenn man sich auf den Weg macht und nach Lösungen für fotografische Störquellen sucht. Die Filmfotografie ist ein Tummelplatz für Sagen, Halbwahrheiten, Schwätzer und Druiden. Will sagen: suche nach Antworten, frage 10 Personen und erhalte 10 verschiedene Antworten. Gratis dazu gibts dann nochmals 10 neue Probleme, die ja irgendwie mit deiner ursprünglichen Fragestellung zusammenhängen könnten. Und selbst wenn Du jemanden mit profundem Wissen gefunden hast, der dieses auch noch bereitwillig teilt (was selten ist, und vergessen wir nicht was an anderer Stelle schonmal festgestellt wurde: Fotografen sind hinterfotzig. Alle Geheimnisse werden niemals geteilt…) – es handelt sich immer um die Summe der Erfahrungen einer anderen Person. Im Regelfall führen mehrere Wege nach Rom.

Unterm Strich wird man nicht umhin kommen zu testen. Ein ausgeprägter Spieltrieb dürfte also mindestens ebenso wichtig sein wie die vorgenannte Leidensfähigkeit. Und Herumprobieren dauert in der Dunkelkammer nunmal länger als am Rechner. Auf Knopfdruck zurück auf Start ist nicht. Das nervt öfter mal, lädt zu Flüchen ein und ja, man leidet auch. Dafür ist die Belohnung, ein gelungenes Machwerk nach X-Versuchen in den Händen zu halten, nur mit wenig zu vergleichen.

Tja, und ehe man sich’s versieht wird man selbst zum gefragten Experten und darf sich dann überlegen welches Maß an Verwirrung man unter den Suchenden stiftet.

Varycon FB

Ein neues Papier hab ich ausprobiert. Das Varycon FB, matt, aus dem Hause Efke. Bei Adox heisst das dann “Fine Print Vario Classic”, ist aber der gleiche Inhalt. Die Planlage bei der Verarbeitung ist sehr gut, die Papierstärke angenehm, die Lufttrocknungseigenschaften – naja. Die Ecken biegen sich schon ziemlich nach oben, da muss der Bücherstapel eine ganze Zeit als Presse herhalten.

Gleichzeitig ist hier zum ersten Mal das 85er Tessar für die Zeiss Ikon zum Einsatz gekommen. Der Bildausdruck bei Offenblende (was hier “nur” f4 ist) kommt eher weich daher, wenn ich Fokussierfehler mal ausschliesse. Mir gefällt es.

Print auf Varycon FB, Selentonung

Porentiefe Reinheit

Ich tobe mich ja mittlerweile schon eine ganze Weile beim Filmentwickeln und Printen aus. Anfangs noch nachlässiger, primär getrieben vom Gedanken den Prozess überhaupt zum Gelingen zu bringen. Heute eine ganze Ecke sorgfältiger, aber mir will noch immer nicht der Print gelingen, der wirklich gänzlich ohne Fussel auskommt. Und irgendein Fleck ist immer auf dem Negativ. Wenn auch nicht mit blossem Auge zu erkennen, auf dem Abzug zeigt er mit Sicherheit sein hässliches Gesicht.

Wie also zum Geier bekommt ihre Eure makellosen Negative und Abzüge hin? Ich will das auch können…

Badi

Acros 100 @ 200, Print auf Wephota 311 PE

Badi – so nennt man in der Schweiz ein Schwimmbad. Da muss man sich einfach nur umschauen und bekommt eine Idee, warum ich da lebe, wo ich lebe und nicht wieder weg möchte…